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Die Eiche von Flagey

In Flagey, unweit von der Dorfgrenze, stand eine Eiche. Sie erhob sich an der Straße, die diese Gemeinde mit Chassagne verbindet, bis sie in der Mitte des 20. Jahrhunderts vom Blitz getroffen wurde. Ihr Stamm war angeblich so dick, dass es sieben Männer brauchte, um sie zu umspannen. Diese Eiche, die 1864 gemalt wurde, blieb in der Vorstellung der Dorfbewohner lange mit der Persönlichkeit von Courbet verbunden, zumal sie dem einzigen Baumporträt im Werk des Malers als Modell diente!

Ornans als Inspirationsquelle

Gustave Courbet fertigt dieses Gemälde während eines seiner Aufenthalte in Ornans an. Die dargestellte Eiche steht im Dorf Flagey, wo sich der Bauernhof der Familie befindet. Indem der Maler diesen Baum verewigt, setzt er seiner Kindheit und Jugend ein Denkmal.

Ein unübliches Werk

Im beginnenden 19. Jahrhundert gewinnt die Landschaftsmalerei durch Künstler wie Pierre-Henri de Valenciennes und Jean-Baptiste Camille Corot an Bedeutung. Doch bis sie sich als eigene Strömung etablieren konnte, sollte es noch bis zur Mitte des Jahrhunderts dauern. Zahlreiche Maler, wie z. B. Théodore Rousseau und Charles Daubigny, treffen sich in einem Dorf in der Nähe des Waldes von Fontainebleau, um durch die Darstellung von Felsen, Höhlen und unterschiedlichen Naturphänomenen ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Doch das Motiv des frei stehenden Baumes ist unüblich. Courbet, der immer wieder im Kreis dieser Künstler verkehrt, begrüßt diese bahnbrechende Perspektive auf die Natur und wagt es sogar, noch einen Schritt weiter zu gehen. Er verleiht dieser majestätischen Eiche Einzigartigkeit, indem er sie zum Hauptmotiv des Gemäldes macht, um ein echtes Baumporträt zu schaffen.

Eine klare politische Botschaft

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wird die öffentliche Meinung durch einen heftigen Streit über den Standort der Schlacht um Alesia gespalten. Handelt es sich um Alaise im Département Doubs oder um Alise-Sainte-Reine im Département Côte-d’Or? In dieser Debatte unterstützt Napoleon III. offiziell die burgundische Position zugunsten von Alise-Sainte-Reine. Deshalb beschließt Courbet, seinem Werk den Untertitel Eiche von Vercingétorix, Cäsars Lager bei Alesia hinzuzufügen, um seinen Standpunkt gegenüber der herrschenden Macht zu betonen. Durch die bloße Hinzufügung zum Titel stellt Courbet nicht nur Vercingétorix und Julius Cäsar einander gegenüber, sondern auch die Demokratie und das Kaisertum. So offenbart er seine persönliche Ablehnung des Zweiten Kaiserreichs, das von Napoleon III. verkörpert wird.

informations techniques

Die Eiche von Flagey, auch die Eiche von Vercingétorix, Cäsars Lager bei Alésia genannt

1864

Öl auf Leinwand
89 x 111,5 cm

Musée Gustave Courbet, inv. 2013.1.1